Alles nur Käse?
Betriebsbesichtigung der Firma ALPMA durch die
Fachschaft Mathematik der Realschule Wasserburg
Am 24.03.11 versammelte sich am frühen frühlingshaften Nachmittag auf dem Parkplatz der Alpenland Maschinenbau GmbH, die trotz des vormittäglichen Unterrichtens hellwache und (wissens)hungrige Mathematik Fachschaft der Realschule Wasserburg, samt Mathematik Seminar und einem Englisch-Geschichte Außenseiter. Dank der Bemühungen von Herrn Widl sollten sich für diese Gruppe Auserwählter an jenem Tag die Tore des führenden Anbieters für Käsereitechnik und Verpackung öffnen.
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Wärmstens empfangen wurde die Truppe von Ausbildungsleiter Herrn Manfred Knauer und dem Auszubildenden Andreas Ott, beides Vorzeigeabsolventen aus dem eigenen Stall. Gut vorbereitet habe ihn die Realschule auf seine jetzige Tätigkeit, meinte Andreas Ott. In der Ausbildung würden nun jedoch mehr die praktischen Anwendungen der Physik und Mathematik im Vordergrund stehen, als dies in der Schule der Fall gewesen sei. Aber mal ganz ehrlich, was wäre Ihre Antwort, wenn Sie ihr ehemaliger Mathematik- und Physiklehrer fragen würde, ob Sie sich durch seinen Unterricht gut auf das Berufsleben vorbereitet fühlten? |
| Zur Einführung ließ es sich die ALPMA-Geschäftsleitung nicht nehmen, in Gestalt des Bereichsleiters der Produktion, Herrn Klaus Ruppert, persönlich zu erscheinen. Herr Ruppert stellte anhand einer Powerpointpräsentation Firmenaufstellung, Geschichte, Geschäftsbereiche und Leistungen des Unternehmens vor. Alles begann 1942 mit einer von Käsereibesitzer Gottfried Hain entwickelten Verpackungsmaschine in Lehen, die bald auch bei anderen Käsereien auf Interesse stieß und bereits 1947 zur Gründung der Alpenland Maschinenbau GmbH führte. | ![]() |
| 1960 wurde der Firmensitz dann nach Rott am Inn verlegt und ein weltweites Vertriebsnetz mit Tochterfirmen in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und Spanien, sowie Vertretungen in allen weiteren Käse herstellenden Ländern geschaffen. 1976 kam es dann zu der bahnbrechenden Erfindung: dem KOAGULATOR. | Was von der Bezeichnung her als futuristischer Kampfroboter durchgehen würde, ist in Wirklichkeit eine bis zu 80 m lange Edelstahlwanne zur kontinuierlichen Käsebruch-Herstellung. Bis zu 45.000 Liter Milch lassen sich damit pro Stunde verarbeiten. Was im Kühlregal nur eine handbreit auseinander liegt, nämlich Weichkäse und Schnittkäse, trennt im Produktionsablauf Welten. |
Doch auch diesen Sprung schaffte die ALPMA im Jahre 2005. Die Tätigkeitsfelder umfassen inzwischen Prozesstechnik, Käsereitechnik, Schneide- und Verpackungstechnik sowie After-Sell-Service. Der Kunde kann Leistungen von Produktdesign über Technologieberatung, Konstruktion, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme sowie Service erwarten.
Nach dieser umfassenden Firmenpräsentation verabschiedete sich die Geschäftsleitung und Herr Knauer führte noch einen Film über die ALPMA vor, in dem unter anderem die Problematik des Gleichgewichtigen-Stücke-Schneidens erläutert wurde. Der Markt verlangt massegleiche Käsestücke. Die großproduktionstechnische Umsetzung ist jedoch gar nicht so einfach. Käse ist ein Naturprodukt, von der Dichte her inhomogen (man denke nur an all die Löcher!), von den Abmessungen variabel. Dadurch tut sich eine Problematik auf, die unlösbar scheint - zumindest ohne Realschulabschluss.

Von dieser Vorführung zeigten sich manche Lehrkräfte so beeindruckt, dass sie sich nicht gleich ohne weiteres aus ihren Stühlen erheben konnten, als Herr Knauer und Herr Ott zum Rundgang durch die Firma luden.
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Die erste Station war das Modell einer Käserei in Argentinien, anhand derer die Käseherstellung mit Hilfe der Technologie und dem Know-how von ALPMA erklärt wurde. Dabei zerplatzten die romantischen Vorstellungen von in Leinentüchern eingewickelten Käselaiben die in abgelegenen Berghütten ihrer Reifung harren. |
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Dreitafelbilder sind out. Heute werden am CAD dreidimensionale Modelle entworfen, die eine Simulation der Einsatzbedingungen von Bauteilen schon in der Planungsphase zulassen. Auch der anwesende Schnupperlehrling zeigte sich begeistert. |
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Weiter ging es in die Werkhallen. Ein vor Engagement sprühender Ingenieur erklärte und demonstrierte dort die Einstellung von Schneidemaschinen mit Hilfe von Computerprogrammen. Wieder ging es um das verflixte Schneiden gleichgewichtiger Stücke. Von jedem Käselaib werde zu diesem Zweck eine eigene Dichtekurve erstellt, erläuterte der Ingenieur und strahlte dabei mit seinem Röntgenscanner um die Wette. Vorbei ging es an den Fertigungsmaschinen (ALPMA kauft nur 30% seiner Komponenten zu) in die Montagehalle, wo man aufgrund ihrer Größe von den meisten Anlagen nur Komponenten zusammensetzt, bevor sie dann am Einsatzort zum ersten mal komplett aufgebaut werden. Es folgte ein Besuch der Orte, in denen auch für einige der jetzigen Schüler der Realschule Wasserburg einmal der Ernst des Lebens beginnen könnte – die Ausbildungswerkstätten. Als die Mathefachschaft eintrat, tauchte gleich so mancher Lehrling hinter seinem Werkstück ab, standen doch die Lehrkörper, denen er gerade entronnen schien, wieder leibhaftig vor ihm.

Die Anzahl der dort anzutreffenden Ehemaligen ist beachtlich. Viele hatten sich ihren Weg durch ein Berufspraktikum in der neunten Klasse geebnet. Verteilt auf die Berufe Industriemechaniker, Elektroniker, Mechatroniker, Technischer Zeichner, Bürokaufmann, Industriekaufmann und Fachinformatiker (selbstverständlich alles auch in weiblicher Form) zieht ALPMA derzeit 47 Fachkräfte der Zukunft heran, und mit Engagement und einem guten Realschulabschluss hat man die freie Auswahl. Momentan können 50 % der Lehrlinge nach der Ausbildung übernommen werden. Dabei nimmt das Unternehmen die notwendigen Unterweisungen zum Teil selbst in die Hand. Firmeninterner Unterricht mit unangesagten Leistungsnachweisen (ja liebe Schüler, ihr habt richtig gelesen!) und gezielter Prüfungsvorbereitung ergänzt das Angebot der Berufsschule. Dementsprechend neidisch konnte ein Realschullehrer auch beim Betreten des Unterrichtsraums werden. Zu Kreidetafel, Flipchart, Whiteboard, Overheadprojektor und Beamer träumte Manfred Knauer bereits laut von einem Smartboard. Bei dem Gedanken an die Probleme mit den eigenen Boards dieser Art und vertrauten auftretenden Justageproblemen beim Einschalten des Beamers, war es dann mit dem Neid aber auch schon wieder vorbei.
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In den Ausführungen zur Berufsausbildung bei ALPMA bekam Herr Knauer Unterstützung durch Martin Ganslmeier. Seines Zeichens Feinwerkmechanikermeister und Ausbilder, sowie (natürlich) ehemaliger Schüler an der Anton Heilingbrunner Realschule, Abschlussjahrgang 1996. Nicht nur fachliche, sondern auch soziale Aspekte spielen bei der Ausbildung eine Rolle. So gibt es Kennenlern- wie auch Abschlussfahrten mit den Ausbildern und aktuell steht eine Schulung zur Suchtprävention an. Man darf sich also gut aufgehoben fühlen. |
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Trotz des ungemein interessanten Vortrags begannen nun aber allmählich die Mathelehrkräfte unruhig auf ihren Stühlen hin und her zu rutschen, gerade so, wie sie es selbst immerzu ihren Schülern verbieten. Denn obgleich sie - wie Schüler beim Unterricht - vorbildlich mit ihren Augen nur an dem Vortragenden klebten, war das im hinteren Bereich des Raumes aus belegten Käse- und Wurstsemmeln aufgebaute Buffet nicht unbemerkt geblieben. Wie soll man aber auch keinen Hunger bekommen, wenn einem zwei Stunden lange etwas von Käse erzählt wird? Schließlich wurde Herr Knauer doch weich und entließ die Meute an den Futtertrog. Zum Essen dazu servierte er noch eine Rechenaufgabe, wieder mal zum Schneiden massegleicher Käsestücke. Gehirnausschalten unmöglich!

Die Fachschaft Mathematik bedankt sich trotzdem ganz herzlich bei Herrn Ruppert, Herrn Knauer, Herrn Ganslmeier und Herrn Ott für die Einblicke, die sie uns in das Unternehmen ALPMA gewährt haben. In unser aller Einschätzung hat das Nahrungsmittel Käse einen ganz neuen Stellenwert bekommen. Obwohl, die Pralinen der Firma Dengel, die am Ende jeder erhielt, waren nun wirklich auch nicht schlecht.
Rita Voggenauer




