Sie befinden sich hier: Home Veranstaltungen Cybermobbing

Das Smartphone als Waffe -

Lehrerfortbildung und Elternvortrag an der Realschule Wasserburg

 

 

Das Problem ist größer als es so mancher Zuhörer angenommen hat:

 

1,4 Millionen Schüler bundesweit sind von Cybermobbing betroffen.

Jeder Fünfte davon ist suizidgefährdet.

 

Diese alarmierenden Zahlen präsentierte Tobias Koy von der Prävention und Suchthilfestelle „Neon“ in Rosenheim.

 

In einem kurzweiligen Vortrag am Mittwochabend wurde den Zuhörern klar, dass das Beleidigen, Bedrohen und Belästigen durch die digitale Welt sehr viel einfacher geworden ist: Aufgrund der Anonymität des Internets sinkt die Hemmschwelle der Mobber, Inhalte können von Opfern schwer gelöscht werden und Mobbingattacken erreichen im Netz viele Sympathisanten.

 

Herr Koy präsentierte den Zuhörern sowohl Präventions- als auch Interventionsmaßnahmen, sodass Cybermobbing an der Realschule keine Chance hat bzw. sofort unterbunden werden kann.

 

November 2019, J. Hofstätter

 

 

 

Gewalt und Mobbing an der Schule – Lösungen statt Lamento

 

 

 

 „Nicht nur die letzte PISA-Studie zeigt deutlich, dass ein hoher – zu hoher – Prozentsatz an Kindern Mobbingopfer sind.“

 

Mit diesen Worten begrüßte die Vorsitzende des Elternbeirats Irmgard Gießibl zu einem Vortrag, der diese Problematik ansprechen sollte.

 

Konrektorin Monika Dirschl freute sich über das Engagement des Elternbeirats, der diesen Vortrag initiiert hatte.

 

Die Referentin, Dipl.-Psychologin Karola Kellner, ist Anti-Gewalt-Trainerin und arbeitete auch als Streetworkerin; sie kennt viele Facetten von Gewalt und Gewaltbereitschaft. Ein Gedicht zog die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich. Täter oder Opfer? Wer hatte es verfasst? Die Antwort war für viele überraschend. Es waren Gedanken einer früher sehr gewaltbereiten jungen Frau.

  

Frau Kellner packte aus: Klebeband, Schirm, Bogen, Messer, Seil, Waffe, Computerspiel … Was assoziieren wir mit einem Gegenstand? Man wählte einen Gegenstand aus und beschrieb die Motive, die diese Auswahl beeinflusst hatten.

 

 

Was empfinden wir als Gewalt? Wo ist die Grenze? Auch hier waren einige Zuhörer bereit, aktiv mitzumachen. Frau Kellner beschrieb kurz eine Situation – die Mitspieler bewegten sich spontan nach links oder rechts, um ein Nein oder Ja auszudrücken. Schnell wurde deutlich, wie unterschiedlich die persönliche Auffassung von Gewaltempfinden ist.

 

 

Wann spricht man von Mobbing?

 

„Eine Schülerin/ein Schüler ist Gewalt ausgesetzt, wenn er oder sie wiederholt und über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler ausgesetzt ist. Unter negative Handlungen fallen körperliche Attacken, aber auch Drohen, Spotten, Hänseln, Beschimpfen, schmutzige Gesten, Fratzenschneiden und Ausgrenzen. Es muss ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen, also, das Opfer ist relativ ausgeliefert.“

 

 

Selbst die Definition lässt viele Möglichkeiten der Deutung zu. Frau Kellner warf wieder Fragen auf:

 

„Habe ich über andere gelästert, um besser da zu stehen?

Habe ich schon einmal körperliche Gewalt angewandt? …

 

Bin ich auch Täter?

 

Opfer machen nichts falsch; Opfer kann jeder werden. Warum? Das hinterfragte Frau Kellner, indem sie genauer auf das Wesen des Täters und dessen Probleme einging. Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühle oder auch eine mangelnde Wahrnehmung des Leidens eines Opfers können Gewaltbereitschaft verstärken. Ein Täter erfährt Gewalt als effektive Methode, sein Ziel zu erreichen.

 

Wie also handeln, um einem Opfer zu helfen, dass die unerträgliche Situation einfach nur aufhört? Wie stärken wir unsere Kinder und wie stützen wir Kinder, die sich ausgegrenzt fühlen?

 

 

Jedes Verhalten, auch das des Täters, hat eine positive Absicht. Gezielte Gesprächstechniken konfrontieren Täter mit ihrem Verhalten. Im Schulleben nicht wegzuschauen und diese Konfrontation nicht zu scheuen, das ist unsere Aufgabe. In der Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Kindern sollte sie gelingen.

 C. Ströhl